Kreistagssitzung erstmals unter Polizeischutz

Alle neu gewählten Kreistagsabgeordneten mussten gestern an der Gruppe der demonstrierenden Antifaschisten vorbei. Richtig laut wurden die NDP-Gegner, wenn sie einen Anhänger der Rechtsextremisten erkannten.

Ratzeburg _ Wütende Proteste begleiteten gestern die konstituierende Sitzung des Lauenburgischen Kreistags. Grund: Die NPD ist dort jetzt auch vertreten.

Knapp 50 Antifaschisten hatten sich vor der Gelehrtenschule in Ratzeburg eingefunden, wo kurz vor 16 Uhr die neu gewählten Kreistagsabgeordneten eintrafen. Immer wieder wurden sie aufgefordert, keinerlei Dialog mit der NPD zu führen. Eine solche Partei habe in einem demokratischen Parlament nichts verloren.
Als Kay Oelke, der einzige NPD-Kreistagsabgeordnete, auf die Schule zuging, wurden die Rufe erheblich lauter. „Faschist“ und „Nazischwein“ waren einige der Vorwürfe, die er sich anhören musste. Oelke nahm’s gelassen und rief den Demonstranten nur ein „Weiter so!“ zu. Er hatte aber auch noch ein paar Gesinnungsgenossen mitgebracht, die sich auf den Zuhörerbänken hinter ihm versammelten.
Der Protest draußen vor der Tür steigerte sich noch einmal, als Heino Förster erschien, der ehemalige Kreisvorsitzende der NPD. Anfang der 90er Jahre war er nach einem Brandanschlag auf ein Asylbewerberheim zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe wegen versuchten Mordes und schwerer Brandstiftung verurteilt worden. „Hau ab, du Verbrecher“, riefen die überwiegend jungen Demonstranten. Rund um die Gelehrtenschule war inzwischen Polizei aufgezogen. „Ich kann mich nicht erinnern, jemals eine Kreistagssitzung unter Polizeischutz erlebt zu haben“, sagte Kreispräsident Meinhard Füllner den LN.

Norbert Dreessen

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