Mölln ’92 – Konsequenz des deutschen Nationalismus


In Gedenken an die Opfer der Brandanschläge in Mölln 1992 sowie allen anderen Opfern von Nationalismus, rufen wir zu einer Demonstration auf. Damit wollen wir unsere Trauer über die Geschehnisse und unsere Wut über die bestehenden Verhältnisse auf die Straße tragen.

Am 22.11.2008 Um 11 Uhr In Mölln am Bauhof

Der Opfer gedenken – Deutschland anklagen

Gedenken und Anklagen
Mölln ´92
Konsequenz des deutschen Nationalismus

Das Ereignis

Am 23. November 1992 kam es in Mölln zu rassistisch motivierten Brandanschlägen auf zwei Häuser, in denen Menschen mit Migrationshintergrund wohnten. Das eine Haus brannte nieder, doch die BewohnerInnen konnten sich retten. Im zweiten Brandhaus in der Innenstadt starben Yeliz Arslan, Ayse Yilmaz sowie Bahide Arslan.
Noch während der Löscharbeiten gab es Bekenneranrufe bei der Polizei, die mit dem Ausruf „Heil Hitler!“ beendet wurden. Obwohl die Anrufe nicht zurückverfolgt werden konnten, wurden die Täter ermittelt. Der damals 19-jährige Haupttäter wurde zu zehn Jahren Haft nach Jugendstrafrecht verurteilt und der 25-jährige Mittäter bekam eine lebenslange Freiheitsstrafe. Heute befinden sich beide wieder auf freiem Fuß.

Kontext

Die Wiedervereinigung Deutschlands 1990 führte zu einem nationalistischen Taumel. Der Mauerfall und das Ende des kalten Krieges führten zu einem neuen Einheitsgefühl; Deutschland war wieder wer und es konnte gemeinsam etwas erreicht werden.
Für alte Schuldgefühle war da kein Platz mehr, stattdessen wurde sich wieder auf deutsche Werte besonnen. Als die deutsche Nationalmannschaft 1990 auch noch Weltmeister wurde, erreichte das wiedererlangte Nationalgefühl durch den Siegestaumel einen weiteren Höhepunkt.
Politiker glänzten mit ihrer „Das Boot ist voll“-Hetze, Deutsche durften sich wieder deutsch fühlen und mit Scheinargumenten gegen Ausländer hetzen.
Da ist es kein Wunder, dass es Anfang der 90er Jahre zu etlichen rassistisch motivierten Brandanschlägen mit vielen Opfern kam, erschreckend ist es dennoch. Mölln ist nur ein Beispiel von vielen und auch nur die Spitze des Eisbergs.

Reaktionen der Stadt

Damals reagierte die Stadt Mölln vor allem mit Betroffenheit, kaum jemand mit Empörung und niemand mit Selbstkritik. Stattdessen fragte man sich, wie es so weit kommen konnte. Der Verein „Miteinander Leben e.V.“ wurde gegründet, es gab zahlreiche Protestmärsche, bei denen der Opfer mit Lichterketten gedacht wurde.
Seitdem gibt es jedes Jahr eine Gedenkveranstaltung mit Kranzniederlegung, organisiert von der Stadt Mölln. Diese würde dem Geschehenen am liebsten so klein wie möglich und auch nur so groß wie nötig gedenken. Deutlich wird dies, wenn die Stadt um ihr Image zittert und eine Umfrage zur Meinung der Deutschen zu Mölln stellt. Bei dieser Umfrage, die 2002 in Auftrag gegeben worden ist, wurde deutlich, dass noch 53% der Befragten Mölln mit den Brandanschlägen und nur 47% mit Till Eulenspiegel in Verbindung bringen. Außerdem ist der nicht beendete Satz des Bürgermeisters von Mölln in einer Zeitung „Was soll durch das Immer-wieder-Aufrühren . . .“ ein Zeichen für den Überdruss, der ebenso bei weiten Teilen von Möllns BürgerInnen verbreitet zu sein scheint.
Dabei ist es keineswegs so, dass heute in Mölln und Umgebung keine Nazis mehr zu finden wären. Ganz im Gegenteil.

Naziproblem heute

Die rechte Szene in Mölln und Umgebung erstarkte in den letzten Jahren. Diese Strukturen festigen sich und sympathisieren auch mit den so genannten „autonomen“ Nationalisten. Es kam zu zahlreichen rechtsextremen Übergriffen in Mölln und Umgebung, unter Anderem auf alternativ aussehende Jugendliche, Obdachlose und Menschen mit Migrationshintergrund.
Bei den Kreistagswahlen 2008 erlangte die NPD einen Sitz im lauenburgischen Kreistag. Sie hatte ein Wahlergebnis von 2,1%.

Warum Antifaschistische Arbeit ?

Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Dieser Teil des Schwurs von Buchenwald hat richtig erkannt: Nazis entstehen nicht im luftleeren Raum, sie können ihren Ursprung in Vaterlandsstolz, völkischem Gedankengut oder Fremdenangst haben. Es geht uns nicht um die bloße Bekämpfung von klassischen Nazis, sondern auch darum ein Bewusstsein zu schaffen, warum es sie gibt und warum Rassismus auch aus der „Mitte der Gesellschaft“ kommt. Die Medien und die Politik haben ihren Teil zu den bundesweiten Angriffen beigetragen und den Hass geschürt. Im Zuge der Anschläge wurden mehr MigrantInnen abgeschoben- aufgrund der Verschärfung des Asylrechts. Also war die „Lösung“ des Problems die Opfer dieser Gesellschaft zusätzlich zu strafen oder abzuschieben. Die Neo-Nazis fanden zwar keine FreundInnen, komischerweise gab es aber erstaunlich viele Menschen, die dennoch ein „Ausländerproblem“ sahen und denen das Boot zu voll wurde. Kohl sei Dank! In Rostock wurde z.B. ein von MigrantInnen bewohntes Heim mehrere Tage lang von hunderten Neo-Nazis und AnwohnerInnen belagert und unter Anderem mit Brandsätzen attackiert. Der Ausgrenzung von Menschen, weil sie nicht einer bestimmten Norm entsprechen, treten wir entschieden entgegen. Wenn Politiker das Ende des Multi-Kulti-Schmusekurses ausrufen, fragen wir uns, was die Alternative ist… Es ist diese Gesellschaft, die Menschen ausgrenzt und es unmöglich macht darin selbstbestimmt zu leben. Wir Alle sind es den Opfern schuldig die wahren Gründe für ausgrenzende Gewalt zu begreifen und zu bekämpfen, wo immer sie stattfindet und welches Gesicht sie auch immer hat.


In Gedenken an die Opfer der Brandanschläge in Mölln 1992 sowie allen anderen Opfern von Nationalismus, rufen wir zu einer Demonstration auf. Damit wollen wir unsere Trauer über die Geschehnisse und unsere Wut über die bestehenden Verhältnisse auf die Straße tragen.

Am 22.11.2008 Um 11 Uhr In Mölln am Bauhof

Der Opfer gedenken – Deutschland anklagen

Plakat Mölln


1 Antwort auf “Mölln ’92 – Konsequenz des deutschen Nationalismus”


  1. 1 krasse Scheiße! Trackback am 18. November 2008 um 0:29 Uhr
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